Vorhautverengung beim Penis (Phimose) – Wir erklären, was dies für Betroffene bedeutet, was beachtet und dagegen getan werden sollte

Vorhautverengung (Phimose)

1.) Was ist eine Vorhautverengung (Phimose)?

Als eine Phimose bezeichnet man eine Vorhautverengung am Penis des Mannes, die mit oftmals schmerzhaften Einschränkungen der Funktionalität des männlichen Glieds verbunden sind. Diese Verengung befindet sich an der Öffnung der Penisvorhaut. Die Vorhaut lässt sich aufgrund der Phimose nur mit Schmerzen oder im Extremfall gar nicht hinter die Eichel zurückziehen. Man unterscheidet zwischen einer physiologischen Phimose und einer pathologischen Phimose. Die physiologische Phimose tritt bei mehr als 90 % der männlichen Neugeborenen auf. Eine physiologische Phimose verwächst sich aber normalerweise bei den betroffenen Jungen häufig bereits im Kindes- oder aber spätestens im frühen Jugendalter bis 17 Jahre. Die pathologische Phimose muss man jedoch medizinisch behandeln lassen. Vereinzelt treten auch mit dem Alter bei Männern schmerzhafte Veränderungen in diesem Gebiet durch nachlassende Hautelastizität oder auch durch Narbengewebe neu auf. Dieser Sonderfall der Vorhautverengung nennt sich bei den Medizinern erworbene oder auch sekundäre Phimose.

1.1) Die physiologische Phimose

Aus Sicht des Mediziners muss unterschieden werden zwischen einer entwicklungsbedingt nicht zurückziehbaren Penisvorhaut und dem Krankheitsbild der Phimose. Die physiologische Phimose ist schlichtweg ein Trick der Natur, durch den die sensible Eichel vor negativen Einflüssen aus der Umwelt, wie beispielsweise Dreck, geschützt werden soll. Aus dem Grund wird die physiologische Phimose auch als Präputialverklebung bezeichnet. Verklebung heißt diese Form der Vorhautverengung, da die Vorhaut bei den betroffenen Jungen quasi an der Eichel ‚klebt’. Eine solche Präbutialverklebung findet sich nach verschiedenen neuen medizinischen Studien bei etwa 96 % aller unbehandelten neugeborenen Jungen. Unbehandelt bedeutet in diesem Zusammenhang nicht beschnitten. Eine Präbutialverklebung sollte niemals gewaltsam ‚gelöst’ werden. Aus dem Grund sollten Eltern bei ihren Babys die Vorhaut des Penis beim Waschen nicht über die Eichel zurückziehen. Äußeres Waschen mit warmen Wasser reicht bei Säuglingen in der Regel ohnehin aus. Hierbei könnte es zu Verletzungen wie Einrissen an der empfindlichen Vorhaut kommen. Bis zum 17. Lebensjahr hat sich die Vorhaut in der Regel bei den meisten jungen Männern vollständig von der Eichel gelöst und kann komplett zurückgestreift werden. Die physiologische Phimose ist dementsprechend keine behandlungsbedürftige Vorhautverengung.

1.2) Die pathologische Phimose

Von einer pathologischen Phimose spricht man, wenn es aufgrund von krankhaft vermehrtem Bindegewebe (im medizinischen Fachjargon als Fibrose bezeichnet) oder einer Vernarbung der Vorhautöffnung nicht möglich ist, die Vorhaut vollständig und schmerzfrei über die Eichel zurückziehen zu können. Begleiterscheinungen der pathologischen Phimose können die folgenden Symptome sein:

  • Nachhaltiger Harnstau
  • Schmerzen beim Absetzen von Urin
  • Verminderte Stärke des Harnstrahls sowie abweichende Richtung von ihm
  • Möglicherweise ein Aufblähen der Vorhaut beim Wasserlassen
  • Repetitive Entzündungen im Bereich der Vorhaut des männlichen Glieds und/oder der Eichel

– Sichtbares Narbengewebe im Bereich Vorhaut und Eichel. Die als Narbenphimose bezeichnete Vorhautverengung zeigt sich an der Vorhautspitze in Form eines weißlichen Ringes aus erhärtetem Narbengewebe. Durch das als unelastischer Ring sichtbare Narbengewebe ist das Zurückziehen der Vorhaut nur noch schwer bis gar nicht mehr möglich.

All diese Symptome können ein Hinweis auf ein behandlungsbedürftige pathologische Phimose sein. Unbehandelt führt eine pathologische Phimose durch sich fortsetzende Entzündungen zur weiteren Vernarbung und damit zu weiteren Einschränkungen der Funktionalität des Penis sowie sie zu weitergehenden gesundheitlichen Problemen führen kann. Eigene Versuche, das verengte Gewebe zu bewegen, können zusätzlich zu einer sogenannten sekundären narbig fixierten Phimose führen.

1.3) Paraphimose

Die Paraphimose ist ein medizinischer Notfall. Im Volksmund wird die Paraphimose auch als ‚spanischer Kragen’ bezeichnet, da sich die Vorhaut wie ein einschnürender Kragen am Glied abzeichnet. Bei einer Phimose kommt es beim Geschlechtsverkehr oder beim Onanieren durch das Schieben der zu engen Vorhaut über die Eichel in der sogenannten Penisfurche (Sulcus coronarius) hinter der Eichel zu einem gefährlichen Schnürring. Die mit Gewalt zurückgezogene, verengte Vorhaut klemmt hierbei die Eichel ein. In der Folge wird der Blutabfluss gestört und das innere Vorhautblatt sowie die Eichel schwellen schmerzhaft an. Ist dies geschehen, muss dringend ein Arzt konsultiert werden. Denn: Die gefährliche Schwellung kann sich nicht mehr selbständig zurückbilden. Lässt sich das schmerzhafte Ödem nicht durch leichten Druck sowie vorsichtige Massagen beseitigen, muss der Mediziner auf andere Methoden zurückgreifen. Der Arzt wird so zunächst mit einer örtlichen Betäubung die eingeklemmte Vorhaut zurück in ihre Ausgangsposition über die Eichel ziehen. Dieser Eingriff ist – wird er schnell und erfolgreich ausgeführt – bei Gelingen mit keinen weiteren Verletzungen verbunden. Gelingt dieses jedoch nicht, muss die verengte Vorhaut in einer Notoperation gespalten werden, dies nennt sich auch dorsale Inzision. Nur so kann eine schwere Schädigung der Eichel durch eine längere Mangeldurchblutung verhindert werden. Wird eine Paraphimose trotz der starken Schmerzen beim betroffenen Mann nicht behandelt, kann durch eine Gangränbildung (Verwesung von Gewebe aufgrund von Unterversorgung) im schlimmsten Fall auch der Verlust der Eichel drohen.

1.4) Das verkürzte Vorhautbändchen

Auch ein verkürztes Vorhautbändchen kann zu Problemen beim Zurückziehen der Vorhaut über die Eichel führen. Das Frenulum breve bezeichnet eine Verkürzung des Vorhautbändchens zwischen der inneren Vorhaut und der vorderen Penisseite. Dies bemerkt man, wenn das Zurückziehen der Vorhaut schwer oder gar nicht möglich ist, sowie die Eichel bei dem Versuch des Zurückziehens der Vorhaut oder bei einer Erektion durch den Zug des verkürzten Bändchens nach vorne abgeknickt wird. Bei einer mechanischen Überbelastung kann das Frenulum breve reißen und dabei zu einer starken und länger andauernden Blutung führen. Aufgrund dieser möglichen Komplikationen und Risiken wird bei einem Frenulum breve zu einer Operation geraten. Hierbei gibt es drei verschiedene Operationsmöglichkeiten:

  • die Frenulotomie (Durchtrennung des Frenulums)
  • die Frenulumplastik (Verlängerung des Frenulums mit Eigenhaut)
  • die Frenulektomie (vollständige Entfernung des Frenulums)

Sowohl die vollständige Entfernung als auch die Durchtrennung des Frenulums stellen die risikolose Beweglichkeit des männlichen Gliedes sicher. Eine Frenumverlängerung ist bislang leider nicht in allen Fällen erfolgreich. Aus kosmetischer Sicht werden aktuell die Verlängerung und die Entfernung als sicherste Varianten ohne anschließende kosmetische Einschränkungen empfohlen. Wird zeitgleich zum Frenulum breve eine Phimose vom Arzt diagnostiziert, wird häufig eine Zirkumzision durchgeführt. Eine gesonderte Operation am Frenulum ist in diesem Falle nicht notwendig, da es bei der Zirkumzision sowieso involviert ist. Oftmals ist jedoch in solch einem Fall das Ausmaß der Phimose nicht eindeutig festzustellen ist. In solch unklaren Diagnosefällen empfiehlt es sich, zunächst das Frenulum breve zu behandeln und erst im Anschluss über den Sinn einer Operation nachzudenken. Für eine Behandlung von Frenulum breve und Phimose stehen zudem nicht-operative Methoden wie Dehnungsübungen mit kortisonhaltiger Creme zur Verfügung. Sollten diese Mittel nicht den gewünschten Effekt zeigen, muss eine der verschiedenen Operationsmöglichkeiten versucht werden. Diese werden in der Regel ambulant und mit einer lokalen Betäubung durchgeführt. Die Heilungszeit beträgt zwei bis vier Wochen. In diesem Heilungszeitraum sollte jegliche mechanische Belastung vermieden werden.

Behandlung bei verkürztem Vorhautbändchen

2.) Woran erkennt man eine Vorhautverengung (Phimose)?

Bei einem anatomisch korrekt gebauten Penis lässt sich sowohl in seinem schlaffen als auch in seinem erigierten Zustand die Vorhaut des Penis problemlos und schmerzfrei über die Eichel schieben. Bei einer Vorhautverengung ist dies jedoch weder ohne Probleme noch ohne Schmerzen möglich. Zudem kann bei einer Vorhautverengung die Erektion des Gliedes nur unter Schmerzen für den Mann geschehen. Die Verklebung der Vorhaut ist bei Neugeborenen bis hin zum Kindesalter ein normaler Befund, den Mediziner bei dem Großteil der Jungen feststellen. Dies entwickelt sich in der Regel bis zum 17. Lebensjahr ohne jeglichen medizinischen Eingriff zurück. Da die physiologische Phimose bei Babys und kleinen Kindern so geläufig ist, sollte bei ihnen niemals die Vorhaut durch die Eltern zurückgeschoben werden, da dies zu einer schmerzhaften Abschnürung der Eichel sowie zu Einrissen an der Vorhaut führen kann. Bei der pathologischen Phimose wird medizinisch differenziert zwischen der vollständigen Vorhautverengung und der relativen oder auch unvollständigen Phimose. Die vollständige Vorhautverengung erkennt man daran, dass selbst im erschlafften Zustand des Penis ein Zurückschieben der Vorhaut gar nicht möglich ist. Bei einer unvollständigen oder relativen Vorhautverengung kann die Vorhaut nur bei einem erigierten Penis nicht mehr über die Eichel zurückgeschoben werden. Eine abschließende Diagnose kann jedoch nur von einem Facharzt, sprich dem Urologen, gestellt werden. Die im Folgenden genannten Anzeichen sprechen jedoch für eine Vorhautverengung, welche medizinisch untersucht und behandelt werden sollte:

  • Schmerzen bei der Erektion des Gliedes durch eine verengte Vorhaut
  • Abgeschwächter Harnstrahl durch eine verengte Vorhaut
  • ‚Umgelenkter’ Harnstrahl durch eine Vorhautverengung
  • Beim Urinieren bildet sich ein ‚Ballon’ an der Vorhaut.
  • Die Vorhaut kann beim erigierten Penis nicht oder nur in Teilen über die Eichel geschoben werden.
  • Aufgrund der engen Vorhaut lässt sich die Eichel nur schwer reinigen. Schnell sammeln sich hier Talg, Sperma, Urinreste sowie abgestorbene Haut – dieses von Fachleuten als Smegma bezeichnete Sammelsurium verursacht seinerseits wieder Entzündungen und riecht unangenehm.
  • Nach dem – oftmals sehr schmerzhaften – Zurückschieben der verengten Vorhaut über die Eichel zeigt sich ein sogenannter ‚Spanischer Kragen’, welcher medizinisch korrekt Paraphimose genannt wird.
  • Es kommt zum Harnverhalt (selten).

3.) Was sind die Ursachen einer Vorhautverengung (Phimose)?

Die Ursachen einer Vorhautverengung können unterschiedlich sein und müssen von einem Mediziner untersucht und festgestellt werden. So gibt es die angeborene Vorhautverengung genauso wie die Phimose als Folge von rezidivierenden Entzündungen der Eichel oder auch des inneren Vorhautblattes, wiederkehrenden Entzündungen des Harntraktes, sonstigen Verletzungen sowie Verletzungen vorheriger Eingriffe (narbige Vorhautverengung). Sollte eine Vorhautverengung erst im Erwachsenenalter auftreten, sollte auf jeden Fall nach der Diagnosestellung durch den Mediziner eine Zuckererkrankung (Diabetes mellitus) als Faktor ausgeschlossen werden. Wichtig ist, dass der betroffene Mann im Fall des Verdachts einer Vorhautverengung schnell handelt und zu einem Urologen geht, um die vermeintliche Vorhautverengung dort eingehend vom Fachmann untersuchen und beurteilen zu lassen.

MRT Röhre beim Arzt vor der Operation des verengten Vorhautbändchens

4.) Wie sieht die Behandlung von einer diagnostizierten Vorhautverengung (Phimose) aus?

Bevor eine Phimose behandelt werden kann, findet zunächst eine eingehende Befragung des Patienten durch den behandelnden Urologen statt (Anamnese). An diese Anamnese schließt sich eine eingehende körperliche Untersuchung an. Durch diese Untersuchung kann der Urologe feststellen, ob es einen auffälligen Befund gibt und wie eine Behandlung der festgestellten Vorhautverengung aussehen kann. Um zu entscheiden, welche Behandlungsmethode angewendet werden kann, muss die Vorhautverengung zunächst einem Grad zugeordnet werden. Kann die Vorhaut voll oder auch bis zur Hälfte ohne Schmerzen über die Eichel des Penis zurückgezogen werden, bezeichnen die Mediziner die Vorhautverengung als eine Phimose vom Grad 0 bis II. Ist jedoch ausschließlich die Harnröhre sichtbar sowie die Vorhaut gar nicht mehr über die Eichel gezogen werden kann, handelt es sich um eine Phimose vom Grad III bis IV. Eine Vorhautverengung kann nach aktuellem medizinischen Stand nichtoperativ (konservativ) und operativ behandelt werden. Dies sind die zwei Hauptverfahren nach der Diagnose einer pathologischen Phimose. Bei einer Vorhautverengung bis Grad IV sollte nach neuesten Erkenntnissen im Regelfall zunächst auf die nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten zurückgegriffen werden. Neueste medizinische Forschungen zeigen, dass gerade die konservativen Methoden der Behandlung einer pathologischen Phimose sowohl kostengünstig als auch besonders effektiv sind. Erst wenn diese Methoden gescheitert sind, sollte bei der Vorhautverengung über einen operativen Eingriff nachgedacht werden. Sofort-Indikationen für einen operativen Eingriff sind die folgenden Ausprägungen der Phimose:

  • Lichen sclerosus (LS), zum Großteil genital lokalisierte chronisch entzündliche, nicht ansteckende Hauterkrankung, in deren Fortschritt eine Verhornung (skletorische Umwandlung) der betroffenen Haut hin zu einer Haut von pergamentartiger Konsistenz.
  • Starke Vernarbung des Gewebes beispielsweise ausgelöst durch rezidivierende Vorhautentzündungen, forcierte Retraktionsversuche, Paraphimose sowie Traumata
  • Eine akute Dysurie aufgrund einer dekompensierten Phimose.
  • Als relative Indikatioren für eine mögliche, aber vom medizinischen Standpunkt nicht zwingend notwendige operative Behandlung gelten die folgenden Faktoren:
  • Unmöglichkeit des Zurückziehens der Vorhaut über die Eichel beziehungsweise Schmerzen bei dem Versuch des Zurückziehens einer zu engen Vorhaut (wichtig: erst bei älteren Kindern)
  • Als Prophylaxe von Harnwegsinfektionen infolge von komplexen Fehlbildungen des Harntraktes (die Phimose ist hierbei oft nur ein Symptom einer sehr viel komplexeren Problemlage)
  • ‚Aufblasen’ der Vorhaut beim Wasserlassen aufgrund einer nur beeinträchtigt möglichen Urinentleerung nach einzelner oder auch sich wiederholenden Entzündungen oder Vernarbung des Vorhautgewebes (bei Babys und Kleinkindern ist dies nur bedingt eine Indikation, da es hier auch andere Gründe für das gleiche Symptom geben kann)
  • Wiederkehrende Eichelentzündungen (diese werden im Fachjargon als rezidivierende Balanoposthitiden bezeichnet)

Wird eine Vorhautverengung festgestellt, muss sie in jedem Fall behandelt werden. Geschieht dies nicht, kann es zu häufigen Entzündungen der Eichel sowie der Vorhaut – im medizinischen Fachjargon als Balanitis bezeichnet – kommen, das Wasserlassen kann zunehmend bis hin zum Harnstau behindert werden, die Entzündungen der ableitenden Harnwege können zu einem Nierenschaden führen, es kann aufgrund von Schmerzen zu einer zunehmenden Behinderung beim Geschlechtsverkehr kommen sowie das Risiko auf Peniskrebs bei den betroffenen Männern steigen kann. Eine Vorhautverengung ist so nicht nur aufgrund der schmerzhaften Einschränkungen in der Funktionalität des männlichen Gliedes eine ernstzunehmende medizinische Diagnose, sondern ebenso aufgrund der weitergehenden gesundheitlichen Probleme.

4.1) Die operative Behandlung der Vorhautverengung (Phimose)

Bei der Diagnose Phimose gibt es für den Urologen verschiedene Möglichkeiten seinem Patienten mit einer Behandlung dauerhaft zu helfen. Die operativen Behandlungsmöglichkeiten sind hierbei eine Möglichkeit die schmerzhafte Vorhautverengung effektiv in den Griff zu bekommen. Unterschieden wird hierbei zwischen der Präputiumsplastik oder auch Vorhautplastik und der Zirkumzision. Bei der Vorhautplastik bleibt die Vorhaut erhalten, während sie bei der Zirkumzision teilweise oder auch vollständig entfernt wird. Die Operationen werden in der Regel bei älteren Patienten unter Teilnarkose und ambulant vollzogen. Der Heilungsprozess dauert einige Wochen. In dieser Zeit sollte jegliche mechanische Belastung des Bereiches vollständig vermieden werden. Bei Kleinkindern findet die Operation im Gegensatz zum Erwachsenen häufig unter Vollnarkose statt. Je nach Alter und Schwere des Eingriffes ist hier auch ein längerer stationärer Aufenthalt möglich. Hierzu wird häufig geraten, um zu vermeiden, dass es im längeren Heilungszeitraumes nach der Operation durch zu frühe Aktivitäten (wie Klettern, Laufradfahren, etc.) zu vermeidbaren und unangenehmen Komplikationen kommt.

4.1.1) Präputiumsplatik

Bei einer Vorhautplastik (medizinischer Fachbegriff: Präputiumsplastik) bleibt die Vorhaut vollständig erhalten. Das Grundprinzip der Vorhautplastik besteht ganz einfach ausgedrückt aus einem oder mehreren vom Arzt ausgeführten kurzen Längsschnitten (den sogenannten Inzisionen) und der sich anschließenden schlichten Quervernähung des Wunddefektes oder der Wunddefekte. Man unterscheidet bei der Präputiumsplastik zwischen den folgenden verschiedenen Operationsverfahren:

  • Dorsalschnitt mit transversalem Verschluss: Hierbei ‚schneiden’ die Mediziner mit einer kleinen Inzision längs durch den verengenden (stenotoschen) Ring am Penis. Dieser Schnitt wird anschließend quer vernäht (transversal verschlossen).
  • Laterale Präputiumplastik: Dies ist eine etwas feinere Variante des Dorsalschnittes mit transversalem Verschluss. So werden hier zwei kleine laterale Schnitte angesetzt und im Anschluss wieder transversal verschlossen.
  • Triple Incision oder Triple Inzision: Bei dieser operativen Methode zur Vorhauterweiterung wird die Vorhaut unter lokaler oder Vollnarkose mit drei kleinen Längsschnitten sprichwörtlich geöffnet. Die Vorhaut kann so auf die notwenige Weite gedehnt werden und wird danach quasi im neuen Format wieder vernäht.

Ist nach einer erfolglosen konservativen Dehnungstherapie mit corticoidhaltigen Salben der operative Eingriff nötig, ist eine Präputiumplastik in den meisten Fällen aufgrund der geringen Morbidität, der geringen Komplikationsrate sowie den niedrigen Kosten einer klassischen Zirkumzision als weniger invasiver Eingriff stets vorzuziehen. Welche der verschiedenen Techniken angewendet wird, hängt von dem Grad der Phimose ab und ist von Fall zu Fall vom Mediziner zu entscheiden.

4.1.2) Die Zirkumzision

Die Zirkumzision ist das letzte Mittel der Wahl bei einer pathologischen Phimose, da sie einen deutlich invasiven Eingriff darstellt. So ist sie indiziert bei schweren Fällen einer Vorhautverengung, bei denen die anderen Behandlungsmöglichkeiten der Phimose entweder primär nicht erfolgsversprechend sind oder bereits ohne Heilungserfolg zum Einsatz kamen. Bei der Zirkumzision muss unterschieden werden zwischen einer partiellen und der radikalen Zirkumzision. Wie der Name Vorhautbeschneidung bereits sagt, wird bei der Zirkumzision ein Teil oder auch die gesamte Vorhaut entfernt. Je nach medizinischer Indikation sowie gegebenenfalls unter mit in Betracht gezogenen kosmetischen Aspekten wird die Vorhaut hier ganz oder auch nur ausschließlich der vordere Teil der verengten Vorhaut beschnitten, sollte ausschließlich in diesem Bereich eine Vorhautverengung vorliegen.

4.1.3) Was für Gefahren birgt eine operative Behandlung der Vorhautverengung (Phimose)?

Gerade Zirkumzisionen weisen leider eine signifikante Komplikationsrate auf. So kommt es im Nachgang einer Zirkumzision häufig zu Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Ödembildungen sowie einer Verengung der Harnröhrenmündung (Meatusstenosen). Gerade die Meatusstenosen können infolge von ungeeigneten Operationstechniken auftreten. Die operativen Behandlungen der Vorhautverengung, bei denen die Vorhaut nur partiell reseziert wird oder ganz erhalten bleibt, bergen leider das Risiko des Auftretens von narbigen Rezidiv-Phimosen. Durch vermehrte Narbenbildung kommt es hierbei erneut zu einer Phimose. Auch das kosmetische Erscheinungsbild kann aufgrund von durch die Operation entstandene Asymmetrien oder Länge des Vorhautrestes zu Nachoperationen führen und somit für weitere Unannehmlichkeiten sorgen.

4.2) Die konservative Behandlung von Vorhautverengung (Phimose)

Zu den sogenannten konservativen, das heißt nicht-operativen Behandlungsmöglichkeiten der pathologischen Phimose gehören die im Folgenden kurz beschriebenen Methoden. Die Dehnung der verengten Vorhaut genau wie auch das vorsichtige Lösen der Verklebung der Vorhaut durch ein Verschieben von ihr unter Aufbringung von cortisonhaltigen Salben. Beide manuelle Behandlungen der Vorhautverengung müssen jedoch schmerzfrei für den Patienten und ohne spürbaren Widerstand möglich sein. Diese Behandlung muss über einen längeren Zeitraum wiederholt fortgesetzt werden. Hierbei wird die Spitze des Glieds über einen Zeitraum von mehreren Wochen mit einer cortisonhaltigen Creme leicht eingecremt. Bei professioneller und sachgerechter Durchführung hat diese Behandlungsmethode der Vorhautverengung keine Nebenwirkungen. Die konservativen Behandlungen der Phimose stellen so vor allem aus medizinischer Sicht keinen schweren Eingriff mit möglicherweise weiteren Folgen für den Patienten dar, wie es operative Eingriffe stets tun können. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie nennt als Erfolgsquote für die konservative Behandlung von pathologischen Phimosen mit Salbenpräparaten immerhin 50 bis 75 %. Neben dieser positiven Bilanz lässt auch die effektive Kosten-Nutzen-Bilanz die konservativen Verfahren als für den Patienten besonders angenehme Behandlungsmethode erscheinen.

4.2.1) Dehnungsübungen gegen die Vorhautverengung

Bei den sogenannten Dehnungsübungen wird die Vorhautverengung von einem Fachmann vorsichtig gedehnt oder die störende Verklebung vorsichtig gelöst. Um diesen Vorgang zu unterstützen, wird vorab eine cortisonhaltige Creme auf die Penisspitze aufgetragen. Diese Behandlung muss über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden, um Erfolge zu zeigen. Aber Vorsicht vor zu schneller Eigeninitiative! Auch hier kann es zu einer schmerzhaften Paraphimose kommen, wenn man die Vorhaut mit Gewalt zu sehr über die Eichel zieht. Mit dem behandelnden Urologen wird ein genauer Behandlungsplan abgesprochen, an denen sich der Patient auch stringent halten sollte um den Therapieerfolg nicht zu gefährden. Schließlich ist es sehr viel angenehmer über einen längeren Zeitraum Creme aufzutragen und regelmäßig zu einer Behandlung zu gehen, als sich am Ende doch noch einer Operation unterziehen zu müssen.

Präputiumsplatik oder Vorhautplastik am Penis

5) Masturbation mit Vorhautverengung (Phimose)

Für die betroffenen Männer ist ihre Vorhautverengung ein leidiges Thema. Keiner möchte in diesem Bereich von der Norm abweichen und aufgrund dieses Umstandes neue und andere Fragen haben als die Altersgenossen. Viele junge Männer können durch ihre spät festgestellte Vorhautverengung möglicherweise ihre Sexualität nicht so frei entdecken, wie man es sich eigentlich wünschen würde. Die Masturbation ist mit einer Vorhautverengung zwar möglich, kann aber durchaus eher schmerzhaft als lustvoll sein. Hier ist der Grad der Vorhautverengung entscheidend. Zudem kann ein Mann beim Onanieren durchaus Wege finden, wie er seine Vorhaut nicht oder kaum bewegt. Auf diese Weise kann die Masturbation bei einer nicht zu stark ausgeprägten Phimose durchaus lustvoll sein. Schwierig wird die Masturbation bei einem Penis, der von seiner Vorhautverengung so stark in Mitleidenschaft gezogen ist, dass eine Erektion in jedem Fall schmerzhaft ist. Hier hilft leider nur der schnelle Gang zum Urologen. Dieser kann dann gemeinsam mit dem durch seine Vorhautverengung extrem beeinträchtigten Patienten ein Behandlungskonzept erstellen, damit der Penis nicht mehr durch die Vorhautverengung in seiner Funktionsweise derart stark eingeschränkt ist.

6) Schmerzen beim Sex durch Vorhautverengung (Phimose)

Eine Phimose ist nicht nur ein medizinisches Problem, sondern für die betroffenen Männer auch ein psychisches Problem. Eine Phimose kann je nach Ausprägung die Lebensqualität der betroffenen Männer stark einschränken. So gehört doch gerade in der westlichen Welt Sexualität ganz natürlich zu unserem alltäglichen Leben dazu. In den Medien wird den Menschen unserer Breitengrade gezeigt, wie omnipräsent Sexualität im Leben von Menschen in der westlichen Gesellschaft ist oder sein sollte. Gerade junge Männer und Frauen setzt eine solche in Szene gesetzte Sexualität stark unter Druck. Wenn nun für den jungen Mann die Erektion seines Penis aufgrund von Schmerzen beim Erektionsvorgangs durch die Phimose zu einem Problem wird, kann er sich schnell außen vorgelassen oder auch als Versager fühlen. Während in seiner peer group die anderen Mitglieder den Sex für sich entdecken, fühlt er sich in seinem sexuellen Verlangen durch die von der Phimose verursachten Schmerzen gehemmt. Je nach Ausprägung der Phimose und der eigenen Technik ist für ihn möglicherweise noch der Lustgewinn durch Masturbation möglich. Kommt es jedoch zum Sex, stellen leider die meisten Männer mit einer Vorhautverengung fest, dass sie mehr Schmerzen als Lust beim Geschlechtsverkehr empfinden. Bevor es nun zu einer negativen Einstellung gegenüber der eigenen Sexualität kommt, sollte die eigene Scham überwunden und ein Urologe aufgesucht werden. Dieser kann gemeinsam mit seinem Patienten nach einer eingehenden Untersuchung überlegen, wie die Phimose besonders effektiv behandelt werden kann. An dieser Stelle sind auch die Eltern von heranwachsenden Jungen gefordert, sensibel mit einem betroffenen Jungen über die Schwierigkeiten und die möglichen Behandlungsoptionen seiner Vorhautverengung zu sprechen. Zudem sollten sie ihm helfen Berührungsängste mit einem Urologen zu überwinden. Schließlich ist es noch immer so, dass zwar der Besuch bei einem Gynäkologen für Mädchen zur Routine gehört, dies bei Jungen und einem Urologen jedoch keineswegs der Fall ist.

Ursachen von zu enger Vorhaut

7.) Die gesundheitlichen Gefahren einer Vorhautverengung (Phimose)

Neben der störenden Einschränkung der Funktionalität des Penis, verbergen sich hinter der Vorhautverengung einige schwerwiegende gesundheitliche Gefahren, wenn diese nicht behandelt wird. Naheliegend sind dies die häufigen Entzündungen der Eichel und der Vorhaut, spezifisch werden diese Balanitis genannt. Durch diese Entzündungen kann es zu einer vermehrten Vernarbung kommen, welche ihrerseits die Phimose deutlich verstärken kann. Aufgrund der Schmerzen durch die Phimose kommt es in den meisten Fällen früher oder später zu einer starken Beeinträchtigung des Lustempfindens und des Geschlechtsverkehrs. Je nachdem, um welchen Grad der Phimose es sich handelt, kann auch das Wasserlassen stark beeinträchtigt werden. In extremen Fällen kann diese Behinderung zum Harnstau führen. Kommt es regelmäßig zu Harnverhalt, steigen damit automatisch auch die Entzündungen der ableitenden Harnwege. Solche Entzündungen der ableitenden Harnwege haben ihrerseits Auswirkungen auf die Nieren und können auf die Dauer zu einem Nierenschaden führen. Durch die dauerhafte Beeinträchtigung steigt außerdem das Risiko auf Peniskrebs. Auch wenn die Hemmschwelle der meisten Männer so sehr groß ist bezogen auf den Gang zum Urologen, sollte dieser direkt aufgesucht werden, wenn die Möglichkeit einer Phimose in Betracht gezogen werden muss. Nur so können langfristige gesundheitliche Schäden und eine starke Beeinträchtigung vermieden werden.

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